ÜBER MICH
Josef Johannes Bardelmann, geboren am 21.11.1966 in Vechta, Niedersachsen. Dritte und jüngster Sohn einer Familie aus dem oldenburgischen Münsterland. Katholisch, konservativ und wertorientiert erzogen. Meine Kindheit lässt sich sehr gut mit einem Wort umschreiben: behütet.
Nach dem Abitur folgten zwei Semester Elektrotechnik an der Gesamthochschule Paderborn. Dann kam die erste große Veränderung in meinem Leben. Die Einsicht, dass ich etwas anderes studieren muss. WS 1987 Beginn des Studiums der Sozialwissenschaften an der Justus-Liebig- Universität Gießen. Beginn meines politischen Engagements in der Partei „Die Grünen“, Auslandssemester in England und Abschluss als Diplom-Sozialwissenschaftler. Danach begann die berufliche Karriere und führte mich über viele Umwege nach Marburg. Hier lebe ich mit meiner Familie seit fast 20 Jahren und Marburg ist mir ans Herz gewachsen. Die Geburten meiner Söhne und das wunderbare Abenteuer, Vater sein zu dürfen, sind weitere Veränderung, die mein Leben unendlich bereichert haben.
Ich hatte mein Glück im Leben und meine Rolle als Mensch gefunden und dachte nicht mehr, daß irgendetwas dieses Glück gefährden könnte.
Alles war schön, erfolgreich und zukunftsorientiert.....
.......................................bis zum Oktober 2005.
Die Große HERAUSFORDERUNG In Meinem LEBEN
Nach zweijähriger Suche für die Ursache meiner immer größer werdenden gesundheitlichen Probleme wurde im Oktober 2005 die Diagnose Morbus Parkinson gestellt. Im Alter von 38 Jahren!
Die Krankheit traf mich in einer Lebensphase, in der die berufliche Karriere gestartet und erfolgreich fortgesetzt werden sollte, die Familie gegründet war und wachsen sollte und ich mir mein familiäres Nest bauen wollte. Mein Leben sollte jetzt so richtig durchstarten und PLÖTZLICH war alles anders.
In der Nacht nach der Diagnose (Ende Oktober 2005) saß ich auf dem Fußboden des Badezimmers der neurologischen Abteilung der Universitätsklinik Marburg. Ich hatte die erste Tablette eines Medikaments gegen Parkinson in der Hand und weinte bitterlich. In dieser Sekunde beschloss ich, meine Krankheit nicht zu verheimlichen, diese meine Herausforderung anzunehmen und alles dafür zu tun, dass mein Leben „Kreativ Lebendig bleibt“.
Ich habe meine Familie, Freunde und mein soziales und berufliches Umfeld sehr schnell informiert und habe diese Offenheit bzgl. meiner Krankheit mir bis heute bewahrt und selten bereut.
Mit der Diagnose Parkinson tauchen viele Fragen und ungeahnte Ängste auf. Lebensmodelle und Zukunftspläne werden in Frage gestellt. Immer wieder frage ich mich:
Was ist mir eigentlich wichtig? Was kann ich beeinflussen?
Parkinson lehrt auf schmerzliche Weise, dass nichts selbstverständlich ist und Kompetenzen, die man gestern noch besaß, heute schon verschwunden sein können. Man spürt, dass die eigene Selbstbestimmung droht, eine Illusion zu werden, wenn man nach einer halben Stunde der körperlichen Unbeweglichkeit (Freezing) endlich in der Lage ist, seine Beine wieder zu benutzen. Hier nicht zu verzweifeln und die Krankheit als Hinterhof des Lebens mit geschlossenen Türen zu erleben, ist eine Herausforderung.
Anstelle der Sichtweise „Dies alles geht nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich bin nicht mehr.“, eröffnet die Sichtweise in Hinblick auf “Was kann ich noch, wie nutze ich diese Kompetenzen und wie konzentriere ich mich darauf“ ganz neue Perspektiven.
Das „Wenige“ bewusst zu nutzen, ist oft viel mehr als das „Viele“ zu vertändeln.
Diese neue Sicht der Dinge hilft mir, meinen Weg mit der Krankheit zu finden. Und mit einer gewissen Zufriedenheit kann ich heute behaupten: Mein Leben ist mit Parkinson nicht wesentlich schlechter, sondern nur anders......
Herzliche Grüße
Josef Bardelmann